Burn-out ist out

„Jetzt können doch alle nett von Zuhause aus arbeiten“, magst du vielleicht denken. „Das ist doch viel stressfreier als im Büro, zumal das Pendeln wegfällt“. Da kann doch keiner mehr ein Burn-out kriegen.

Du hast Recht. Ein Teil des üblichen Arbeitsstresses der postmodernen Zeit fällt gerade weg, wenn man seinen Arbeitsplatz zu Hause hat. Es sei denn, man musste nicht ein Regal im Kleiderschrank freiräumen, wie ich bei einem Nachbarn bei meiner Hunderunde sehen konnten, oder bekam nicht noch mal eine Schippe Stress oben drauf, weil die Kinderbetreuung, nun, sagen wir mal, recht eingeschränkt war. 

Gerade, wenn man der alten Definition folgt, dass Burn-out der Arbeitsunfall der Moderne ist, sind die Risiken gerade minimiert, oder?

Gleichzeitig wollen viele, aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, selbst wenn sie remote im Home-Office arbeiten, zeigen, dass sie unverzichtbar für ihre Firma sind. Da werden weiter die Überstunden geschrubbt. Ich habe von Menschen gehört, die mögen noch nicht mal mit dem Laptop im Garten an einem Tisch sitzen, weil ihre Arbeitsmoral ihnen das verbietet. 

Das Bild der Industrialisierung, dass nur der Mensch arbeitet, der auch am Band steht/ am Schreibtisch sitzt, ist noch tief in den Köpfen verankert. Was ja auch lange Zeit ein Hinderungsgrund für viele war, überhaupt mobiles Arbeiten zu erlauben.

Die Firmen wurden zwangsdigitalisiert

Nun hat Covid-19 dazu geführt, dass viele Firmen, nahezu unfreiwillig, wie ich es nenne, zwangsdigitalisiert, worden sind. Alte Zöpfe über mobiles Arbeiten konnten schon abgeschnitten werden und ich höre jetzt schon viele Menschen davon sprechen, dass sie nie wieder die gesamte Woche ins Büro gehen werden. Das ist die gute Seite. Sicher werden ab jetzt viele Geschäftsreisen, mal eben für eine 2 stündige Sitzung nach Rom zu fliegen, auch neu überdacht werden. Auch hier merken viele Manager, mit denen ich arbeite, dass sie ihre Kinder mehr mitbekommen und wie sinnbefreit dieses ewige Reisen auch war. 

Was bei allen Vorteilen, die mobiles Arbeiten mit sich bringt nicht bedacht wird, sind, von Seiten des Arbeitsschutzes und der Ergonomie, die „Küchentischarbeiter“, die sicher nicht den Bildschirm in der richtigen, ergonomischen Höhe haben.

Arbeitsschutz soll auch die psychische Gesundheit im Auge haben

Aber das alles ist sicher zu vernachlässigen. Was unbeachtet bleibt, ist der Blick auf die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden. Hier spricht man in Fachkreisen davon, dass zunehmend mehr Menschen anfangen, mit all seinen Folgen an einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu leiden. 

Nun wirst du vielleicht denken, wo ist denn die traumatische Situation? Die haben doch nichts auszustehen. Auf einer Ebene hast du recht und es geht, gerade was das Thema Trauma angeht, gerade auf der Welt vielen Menschen deutlich schlechter, als uns hier in Deutschland. 

Ein Mensch kann schleichend traumatisiert werden

Und genau das erleben wir gerade. 

Das klassische Trauma geschieht direkt. Da fällt einem z.B. ein Zugunglück ein etc.. Darüber hinaus gibt es die sogenannte sekundäre Traumatisierung. Die trifft Menschen, die mit Menschen in Kontakt kommen, die ein Trauma erlebt habe und von deren traumatischen Erfahrungen hören, wie Journalistinnen, Ärztinnen, Feuerwehrmännern und Therapeutinnen. Letzte werden so ausgebildet, dass sie Vorkehrungen treffen, um das Risiko der Sekundärtraumatisierung zu minimieren. Das ist Teil der Professionalität.

Ein Trauma entsteht, wenn Menschen eine Situation erleben, der sie sich ausgeliefert fühlen und in der sie keine Möglichkeiten sehen, zu entkommen. Das löst hohen emotionalen Stress aus.

Gefühle wie Ohnmacht, plötzliche Wutausbrüche und Hilflosigkeit sind an der Tagesordnung. 

Ob man mit einer traumatisierenden Situation so umgehen kann, dass man kein Trauma erleidet, hängt auch ein wenig von den persönlichen Ressourcen und dem Umfeld ab, und dennoch kann es jeden treffen.

Hilfe, mein limbisches System funktioniert nicht mehr richtig

Ein Teil des Gehirns, das limbische System, ist, vereinfacht dargestellt, dafür zuständig, wie eine Schaltzentrale zu funktionieren, die hilft, die Erlebnisse emotional und zeitlich einzusortieren und damit zu verarbeiten. So weit, so gut. Nur wenn eine stressende Situation, der man ausgeliefert ist, länger anhält, wie wir es gerade bei Covid-19 erleben, kann es sein, dass diese Funktion, insbesondere der Amygdala, des Mandelkerns, nicht mehr ausreichend funktioniert. 

Die Symptome

Die Folgen sind, dass die Erlebnisse nicht ausreichend verarbeitet werden und der Körper in eine Art Alarmzustand versetzt wird. In der Fachsprache heißt der „Hyperarousel“.

Das kann sich in unbewohnten Wutausbrüchen, starken emotionalen Schwankungen, Schlafstörungen, dem Gefühl, einfach nicht zur Ruhe kommen zu können, und dem Verlust einer positiven, optimistischen Grundstimmung bis hin zur Depression und suizidalen Gedanken zeigen.

Die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind immens. Durch den schlechten Schlaf lässt die Konzentration stark nach. Neue Aufgaben führen schnell zu einem Gefühl von starker Überforderung und werden nach Möglichkeit gar nicht erst angegangen oder abgelehnt. 

„Das geht so nicht“, oder „Das ist aber schwierig“, ist nur ein Teil der Sätze, die da fallen können. 

Menschen, die schon früher ein Trauma erlebt haben, können nun erneut von Flashbacks überschwemmt werden. Flashbacks sind blitzartige Erinnerungen an die traumatische Situation, die emotional so erlebt wird, es sei es gestern geschehen. 

Wenn wir davon ausgehen, dass z.B. jede dritte Frau in Deutschland von sexueller Gewalt betroffen ist, kann man sich allein hier vorstellen, welche Ohnmachtsgefühle hier erneut getriggert werden. 

Aus der Arbeit mit an Krebs erkrankten Menschen kannte ich einen Mann, der das brennende Hamburg während des Krieges erlebt hatte. Als er jetzt, erneut traumatisierte durch die Diagnose, zu mir kam, erzählte er, dass er von den Bildern von damals überschwemmt wurde.

Covid-19 traumatisiert

Durch den latenten Dauerstress und dem Gefühl, der Pandemie mit ihren Einschränkungen ausgeliefert zu sein kann somit zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) mit den oben genannten Symptomen führen.

Der entscheidende Unterschied zwischen der PTBS im Vergleich zu Burn-out ist, z.B., dass letzteres mit einer Erschöpfung einhergeht, die selbst mit einer Pause nicht mehr zu auszugleichen ist. 

Daher ist es für wichtig, auch im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes, darauf zu achten, wie sich die eigene psychische Gesundheit und die der Mitarbeitenden entwickelt, um rechtzeitig Maßnahmen ergreifen zu können.

Wie kann ich mir helfen?

Gespräche über die eigene Situation, der positive Umgang und Ausdruck aller Emotionen, Kreativität, aktive Entspannung, die Visualisierung des Kraftortes und die Tresorübung sind erste Dinge, die man machen kann, um sich zu helfen. 

Und, als ausgebildete Traumatherapeutin kann ich dir auch zur Seite stehen, wenn du mehr willst.

Nimm dann einfach Kontakt zu mir auf. 

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