Mal Vorneweg – wenn ich eins bereue, dann es ist das, mich nicht schon viel früher selbständig gemacht zu haben. Ich erlebe meine Arbeit untrennbar von meinem Lebensstil. Das Gegenteil davon ist für mich der Begriff „Work-Life-Balance“. Er impliziert, man würde bei der Arbeit nicht leben und als wären die Arbeit und das Leben getrennte Kontinente. Ich weiß, dass das bei vielen Menschen so ist, bei mir aber nicht. Ich stehe morgens voller Begeisterung auf und freue mich auf die Kontakte mit Kund*innen und auf das, was ich heute alles umsetzen kann. 

Und dennoch gibt es drei Dinge in der Arbeit, die ich wirklich nicht mag.

1. Der Papierkram, der mich so langweilt

Der ganze Papierkram (wenn mittlerweile oft auch digital) nervt mich total. Rechnungen und Angebote zu schreiben, die Steuerunterlagen vorzubereiten etc. etc. Ich finde es kleinteilig, langweilig ein nie endender Strom auf meiner To-do-Liste.

Wenn mich morgens jemand fragen würde, ob ich einen Tag ganz in Ruhe meinen Bürokram erledigen oder ein Peercoaching für eine internationale Gruppe geben möchte, würde ich mich sofort für letzteres entscheiden. Selbst dann, wenn die Begleitung des Teams auf Englisch ist, was mir manchmal noch ein wenig Stress bereitet.

Die Eintönigkeit, die aus meiner Sicht Büroarbeit mit sich bringt, fühlt sich für mich schon nach 3 Stunden so an, als hätte ich 8 hart gearbeitet. Und offenbar stöhne ich oft laut bei dieser Arbeit, wurde mir einmal erzählt.

Kennst du deine Zone of Genius?

Da ich meinen Kund*innen empfehle, meist in ihrer „Zone of Genius“, also darin, wo sie richtig gut sind, zu arbeiten, habe ich mir selbst auch diesen Tipp gegeben.

Ich habe mir eine Bürofee gesucht, die schon als Kind Büro gespielt hat, weil es ihr so viel Spaß machte. So kam ich zu meiner ersten festen Angestellten. Darüber hinaus habe ich Prozesse vereinfacht, soweit es ging. Und die Digitalisierung genutzt, um im wahrsten Sinne des Wortes weniger Papierkram zu haben. 

2. Klienten, die ihre Verantwortung nicht übernehmen (können) 

Steve de Shazer hat eine wunderbare Kurzeinordnung von Menschen, die eine Beratung oder ähnliches aufsuchen gegeben. Er nennt sie:

Klagender, Besucher oder Kunde“. 

Steve de Shazer

Die Klagenden habe ich gefressen

Sie kommen mit der unbewussten Haltung, zu meckern. Sie stellen sich als Opfer der Situation dar und möchten eins: Auf keinen Fall etwas ändern!

Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn bin ich auf sie oft hereingefallen, habe wunderbare Ideen entwickelt, was sie tun könnten, damit es ihnen besser geht und sie mehr Wohlbefinden in ihrem Leben haben. Ich hatte nicht erkannt, dass es gar nicht darum ging.

Eine Änderung hätte ja den unbewussten Vorteil des Opfer-Daseins verändert. Vorteile eines Opfers sind z.B. alle bemitleiden dich, weil du z.B. eine so blöde Chef*in oder einen so zickigen Kollegen hast. Jeden Tag kann man damit Mitleidspunkte sammeln. Und muss eins nicht: die Dinge in die Hand nehmen.

Die typische Aussage eines Klagenden ist: “Das (die Beratung, die Therapie, das Coaching etc.) hat gar nichts gebracht!“.

Ich habe durchaus Mitgefühl für diese Menschen und verstehe als Psychologin, wie es zu einer solchen Haltung kommt. Ich wünschte immer wieder, ich könnte diesen Menschen helfen, aus ihrer Opferhaltung heraus in die Kraft der Schöpferin zu kommen, die adäquate Lösungen für sich findet. 

Und vermutlich, da ich selbst lösungs- und ressourcenorientiert bin, finde ich die Klagenden echt anstrengend.

Ich versuche, auch aus schwierigen Situationen a) etwas lernen und b) wieder herauszukommen, damit meine Lebensqualität wieder auf mein gewohntes hohes Niveau zu heben.

Ich will mich einfach reich fühlen, und das ist Wohlstand auf emotionaler Ebene.

Der Geschickte kommt einfach mal vorbei

Der Besucher, den de Shazer nennt,  wird auch „der Geschickte“ genannt. Er selbst hat gar kein Problem, das er lösen wollen würde. Das Problem haben die Anderen. Ehepartner, Freunde oder Chef*innen. Die Anregung, zum Coaching zu gehen, ist von ihnen ausgegangen.

Wenn man dann das Coaching besucht, ist deren Wunsch dann auch Genüge getan und man selbst kann sich entspannt zurücklehnen. 

Kund*innen – der Traum aller, die mit Menschen arbeiten

Die dritte Kategorie nennt Shazer die Kund*innen. Die habe ich am liebsten.

Sie sind bereit, eine gute Lösung für sich zu finden und sind auch bereit, sich dafür einzusetzen.

Auf psychologisch heißt das „Selbstwirksamkeitserfahrung“, das Selbstvertrauen, Situationen gemäß der eigenen Wünsche und Bedürfnisse positiv beeinflussen zu können.

Manchmal braucht es Ideen, wie das gehen kann, aber das ist ja Teil des Mentorings. Ich freue mich immer, wenn Menschen in diesen Zustand hineinwachsen. Weil es aus meiner Sicht ein Wohlstand ist und weil damit das Leben einfach mehr Spaß macht. 

3. Mit Kolleg*innen nicht mal eben bei einem Kaffee schnacken zu können

Ich nenne es das Montagmorgen-Phänomen.

Nach dem Wochenende wieder gezielt an meinem Business zu arbeiten finde ich zwar toll, aber manchmal träume ich davon, einfach ins Büro gehen zu können.

Meine Fantasie ist, dass ich, wenn ich dort angekommen bin, mir erst einmal einen Kaffee hole um dann mit Kolleg*innen über die Erlebnisse des Wochenendes zu schnacken, während im Hintergrund mein Gehaltsanspruch einfach weiterläuft, ohne das ich gleich Leistung bringen muss. 

Ich bin ein dialogisch denkender Mensch und brauche den Austausch. Frei nach dem Motto:

Ich muss hören, was ich sage, dann weiß ich, was ich denke.“

Renate Schmidt

Interessanterweise tritt dieser Wunsch, wenn er überhaupt in den Sinn kommt, immer montags auf. Ich vermute, es hat damit zu tun, mich selbst liebevoll zu motivieren, meinen Plänen zu folgen, nachdem man einfach mal frei hatte.

Manchmal, das ist auch Teil meiner Fantasie, denke ich, es wäre soviel einfacher, wenn jemand anderes dafür verantwortlich wäre, mir meine Aufgaben auf den Tisch zu schaufeln. Aber dann wird mir klar, dass das für mich das Gegenteil unternehmerischen Handels wäre, und dann ist das Ganze schon nicht mehr ganz so attraktiv. 

Das Gute ist, ich habe wunderbare Freund*innen, die auch Unternehmer sind, und mit denen tausche ich mich regelmäßig per Zoom aus.

Natürlich  buche ich mich regelmäßig in Mastermindgruppen zu den Themen ein, in denen ich mich und mein Unternehmen entwickeln will.

Man nennt es Investition in Humankapital und ich halte es für unabdingbar für den unternehmerischen Erfolg.

Um meinen Montagsblues dann noch aufzuhellen, gehe ich in die Küche und bereite mir einen Galao, einen portugiesischen Kaffee mit Hafermilch, oder einen Matcha Latte zu. Das ersetzt zwar nicht die Kolleg*innen, schmeckt aber wunderbar. 

Fazit:

Seit über 20 Jahren bin ich selbstständig und liebe diesen Lebensstil. Ich wollte gar nichts anderes machen. Es gab eine Zeit, da war ich angestellt und kenne auch dieses Leben. Aber würde nicht mehr tauschen wollen.

Als Unternehmerin habe ich es in der Hand, Dinge zu verändern und Lösungen zu finden.

Das macht mich zur Schöpferin meines Lebens – und das ist Reichtum erster Güte.